Die neuen Zahlen für 2026 sind da:
Die Bevölkerungsanzahl, die Anzahl der fertiggestellten Wohnungen und der Wohnungen, die in Vorbereitung, Planung oder Bau.

Mit 1.1.2026 leben 345.391 Menschen in Graz, davon haben 307.912 ihren Hauptwohnsitz, also ihren Lebensmittelpunkt in Graz. Ohne die stete Zuwanderung aus EU und Nicht-EU Ländern würde die Anzahl der in Graz lebenden Menschen zurückgehen.
Die Anzahl der Wohnungen ist in den letzten 10 Jahren um fast 50.000 gestiegen. Mit1.1.2026 gibt es 220.573 Wohnungen und nach unserer Recherche zusätzlich 8.422 Wohnungen in der Pipeline, also in Vorbereitung, Planung oder Bau.
Es zeigt sich, dass der Bestand von Wohnungen plus der Zahl derer in der Pipeline, also etwa 229.000 Wohnungen für 350.000 Menschen bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von fast 2 Personen einen deutlichen Überhang an Wohnungen darstellt.
Es wird also in Graz nach wie vor viel gebaut, wenn auch der Höhepunkt der Immobilienentwicklung überschritten ist. Dennoch gibt es weder einen „Stillstand“ noch einen „schweren Einbruch am Immobilienmarkt“, wie die Immobilienbranche es uns immer wieder weismachen will. Nachdem es keine offiziellen Zahlen gibt, wie viele Wohnprojekte in Planung oder Bau sind, bietet sich viel Raum für Spekulationen. Es wäre Aufgabe der Behörden, Transparenz in den Wohnungsmarkt zu bringen und zumindest die Anzahl der im Bau befindlichen Wohnungen mittels der Baubewilligungen darzustellen und zu veröffentlichen. Nur so könnte Klarheit geschaffen werden, wo und was gebaut wird. Stattdessen machen wir Jahr für Jahr die mühsame Recherche, die Homepages der Wohnbauträger nach ihren geplanten und im Bau befindlichen Projekten zu durchforsten.
Das Ergebnis kann immer nur unvollständig und eine Schätzung der Immobilienentwicklung sein, weil nicht alle Wohnbauträger ihre Bauvorhaben betreffend offen und transparent agieren; da werden Projekte als Referenz genannt, die erst in Planung sind, es werden keine genauen Adressenangaben gemacht, dieselben oder ähnliche Projekte tauchen unter verschiedenen durchaus fantasievollen Projektnamen bei verschiedenen Wohnbauträgern auf.
Was auffällt, dass anstelle von großen Projekten immer mehr kleinere Wohnbauvorhaben mit 10 – 30 Wohnungen anstelle von Einfamilienhäusern und Villen bzw. im Freiland, oft im Grüngürtel, gebaut werden. So verlieren Stadtteile und kleinräumige Siedlungsbereiche vor allem am Stadtrand ihren Gebietscharakter; wo früher Gärten oder Äcker waren, wachsen nun Wohnhäuser, die das bisherige Ortsbild buchstäblich sprengen. Nach unserer Recherche werden anstelle von 173 Einfamilienhäusern, Villen, kleinen Gewerbebetrieben, Gärten oder Grünland in Zukunft 4.428 Wohneinheiten gebaut!
Bereits 2021 wurde eine Wohnbaustudie vorgestellt, die unsere bisherigen Recherchen genau bestätigt: Es zeigt sich ein besonders hoher Anteil an Anlegerwohnungen und, dass in den letzten Jahren mehr Wohnungen gebaut wurden, als Menschen neu nach Graz zugezogen sind, dass die Wohnungen immer kleiner werden und immer weniger Grünraum zur Verfügung steht. Es ist sehr begrüßenswert, dass diese Fakten nun belegt am Tisch liegen und Berücksichtigung bei einer Neuauflage der Raumordnungspläne finden werden!
Unsere Vorschläge für Gesetzesänderungen im Bau- und Raumordnungsgesetz:
Die Steiermark ist unter allen Bundesländern der absolute Spitzenreiter, was den Flächenverbrauch betrifft. Aber anstatt der dringendsten Herausforderung unserer Zeit – dem Klimawandel – mit einer kompletten Neufassung und Neustrukturierung des Regelwerks für die räumliche Entwicklung und des Bauens in der Steiermark zu begegnen, hat man wie bei einem Fleckerlteppich an den fünfzig Jahre alten Gesetzen der Raumordnung und des Bauens weitergebastelt. Es braucht jedoch jetzt einen Paradigmenwechsel und einen legistischen Neustart, um den Flächenfraß zu stoppen, dem Klimawandel in vollem Umfang Rechnung zu tragen und den Zugang zu leistbarem Wohnraum, zu Grund und Boden fair zu verteilen.
Mehr als 10 Jahre – SOKO Altstadt – www.grazerbe.at
Die Grazer Baugeschichte – zu oft eine Geschichte der Zerstörung alter Häuser…..
Nachdem bereits viele Grazer Baujuwele Opfer der Spitzhacke wurden, startete vor mehr als 10 Jahren das Projekt Grazerbe . Ziel war es, eine wichtige Lücke in der Dokumentation von Gebäuden zu füllen, da es bis dahin in der zweitgrößten Stadt Österreichs keine laufende Online-Dokumentation und Beschreibung der Bausubstanz gab. Neben der Bestandsaufnahme von erhaltenswerten Gebäuden sollte auch die Stadt Graz bei der vom Gemeinderat beschlossenen Erstellung eines „Schutz-Katasters“ unterstützt werden. www.grazerbe.at ist im Stil von Wikipedia, jeder kann sich als Benutzer anmelden und über das Eingabeformular Adressen eintragen und Fotos hochladen. Mittels eines Stadtplans können Veränderungen in der Stadt sichtbar gemacht und kommentiert werden. Dank zahlreicher freiwilliger Beteiligung konnten Geschichten der Gebäude gesammelt, aber auch die Entwicklung der Stadt sichtbar gemacht werden. Gerade bei Gebäuden, die nicht unter Schutz stehen, geschieht die Veränderung ganzer Viertel oft unbemerkt.
Es lohnt sich also, einen Blick darauf zu werfen!
